Sonntag, 1. Februar 2009

1. Februar 2009: Phnom Penh, Kambodscha

Wie schnell man doch die Welt wechseln kann: Gestern noch im beschaulichen, kleinstädtischen Vientiane und heute in Phnom Penh, einer Millionenstadt.

Die einstige Grösse dieser von den Franzosen nachhaltig geprägten Metropole ist auch heute noch fühlbar. Breite Avenues und Plätze prägen das Stadtbild ebenso, wie die vielen kleinen Läden, die Tuk Tuks, der Schmutz.

Kopfarbeit: Jede/r muss schauen, wo sie/er bleibt. Hier gibt es nur Löcher in den nicht existierenden Sozialvericherungen...

Bis auf einige Staatsheiligtümer, Tempel und Königspaläste, die nach der Schändung durch die Roten Khmer ab 1979 wieder aufgebaut und aufwendig restauriert wurden, sieht man den Zahn der Zeit heftig nagen.


Aber auch hier fahren, wie in Thailand auch, viele neuere Autos auf den Strassen. Aber noch viel mehr prägen die Motorräder das Strassenbild. Sie treten meist in Rudeln auf und fahren kreuz und quer – auch in der falschen Richtung. Es wird gedrängelt und geschnitten, dass es selbst einem Neapoletaner schwindlig würde.

Wilder Verkehr...


Ich traue mir ja beim Autofahren eine ganze Menge zu, aber hier wäre ich die erste Zeit wohl ziemlich verloren...

Dunkle Vergangenheit

Am meisten auf meiner Stipvisite beeindruckt hat mich jedoch das Tuol Sleng-Museum, das ehemalige Foltergefängnis der Roten Khmer. Es ist heute zu einem Symbol des Begriffs Völkermord geworden.

Eigentlich heisst es ja, dass die Naziverbrechen an den Juden mit nichts verglichen werden könnten. Aber wenn ich erfahre,dass die Roten Khmer innert nicht einmal vier Jahren ihr aus sieben Millionen Menschen bestehendes Volk um 2 Millionen dezimierten, läuft es mir mehr als kalt den Rücken hinunter.

Die Roten Khmer teilen eine weitere Eigenschaft mit den Nazis. Sie haben über ihre Gräueltaten genau Buch geführt. Hier ein Link zum Documentation Center of Cambodia.

Das Tuol Sleng-Gefängnis ist eine Schule, die nach der Machtergreifung von Pol Pot und seinen Kumpanen und Schergen in das schlimmste Folterzentrum des Landes verwandelt wurde. Irgendwie ist das schon bezeichnend, denn die Khmer-Revolution richtete sich damals vor allem gegen Intellektuelle und Künstler. Sie beschränkten sich jedoch nicht darauf. Jedermann war damals in Gefahr.

Zwischen 1976 und 1979 wurden in dem ehemaligen Gymnasium Tausende Menschen auf brutalste Weise zu Tode gequält. Wer die Schwelle zu S-21, wie das Gefängnis hiess, einmal überschritt, kehrte meist nicht wieder zurück.

Meine Diashow ist nichts für Kinder oder Menschen mit empfindlichen Nerven (Untertitel einschalten für Bildbeschreibungen).

Ich bin ja durch meine langjährige Mitgliedschaft bei Amnesty International einiges gewohnt. Aber die Atmosphäre dieses Ortes zu fühlen, löste bei mir eine solche Beklemmung aus, dass ich zwischendurch mit den Tränen kämpfen musste.

Fassungslos betrachtete ich die Verliesse und Foltersäle und fragte mich viele Male, wie Menschen so etwas tun können.

Eine Antwort habe ich nicht gefunden, und die vielen Besucher dieser Hochburg des Grauens wohl auch nicht.


Ich fragte mich auch, wieso die internationale Gemeinschaft da einfach so zuschauen konnte. Aber da kommt eben die grosse Politik ins Spiel. Die Amerikaner zum Beispiel unterstützten die Roten Khhmers grosszügig, auch nachdem bekannt geworden war, was hier hinter dem Bambusvorhng getrieben wurde. Aber die Roten Khmer waren eben Gegner der den Amis so verhassten Vietnamesen.

Und in einem solchen Fall, wird das Gewissen rasch ausgeschaltet. Höchstwahrscheinlich ist diese unrühmliche Rolle der Amerikaner auch dafür verantwortlich, dass die meisten Massenmörder und Schreibtischtäter bis heute nicht für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen wurden.

Und immer wieder dachte ich meinen ehemaligen Schüler Sokrith, den kleinen Kambodschanerjungen, der 1983 bei mir Deutsch gelernt hatte. Schon damals war mir klar gewesen, dass dieser 12-Jährige, der im Körper eines Achtjährigen steckte, mehr Schlimmes erlebt hatte, als die allermeisten Menschen in unserer Hemisphäre während ihres ganzen Lebens.

Anschliessend brauchte ich dringend einen Tapetenwechsel und besuchte das Nationalmuseum, ein wildes Sammelsurium von Statuen und Bildern aus der Landesgeschichte in einem wunderschönen Bau.

Aber immer wieder kehren meine Gedanken an das Tuol-Seng-Gefängnis zurück...

Den Sunset verbrachte ich dann im legendären FCCC, dem Foreign Correspondents Club of Cambodia, der im Film “The Killing Fields” von 1984, traurige Berühmtheit erlangte. Der FCCC war auch im Indochinakrieg DER Treffpunkt der internationalen Kriegsberichterstatter.

Blick vom FCCC aufs Nationalmuseum

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

grosse Politik ..... und/mit Gewissen .... gibt's das?