Nein, heute möchte ich nicht schildern, ob und wie die Kambodschaner und Kambodschanerinnen Käfer und anderes Getier, z. B. auch Hunde, vertilgen. Ich spreche von einer anderen Art, der Schreckus Tabulus Sudkoreensis. Meinen ersten Kontakt mit dieser in Kambodscha nicht sehr raren Spezies machte ich beim Frühstück im Dragon Royal Hotel. Dieses scheint bei japanischen und südkoreanischen Reiseveranstaltern hoch im Kurs zu stehen. Die Menschen aus Südkorea werden hier gleich flugzeugweise angeliefert.
Und genau so fallen sie ins Frühstücksbuffet ein. Allen voran die mittelalterlichen Ladies (zwischen 49,5 und 71,6 Jahren). Diese meist kleinwüchsigen Damen, denen man ansieht, dass sie zu den besser Verdienenden ihres Volkes gehören -und die ihre Haarpracht mit einer perfekten Dauerwelle zur Schau stellen, schlagen alles, was ich in dieser Beziehung in meinem halben Jahrhundert Erdendasein zu Gesicht bekommen habe: Kaum bringt ein Kellner eine neue Platte mit Gemüse, Fleisch oder Früchten, stürzen sich die dauerbewellten Damen in echter Hyänenmanier auf die Beute. Zehn Sekunden später sind die Platten leer.
Und wenn sich so ein schüchterner Schweizer aus den kläglichen Resten ein Früchtetellerchen zusammengestellt hat und dieses auf einem leeren Tisch platziert und sich einen Kaffee holt, wird eben dieser Tisch von einer Hyänenkampfeinheit okkupiert. In dieser halben Minute wird die Tafel so mit ihrer Beute bedeckt, dass sie fast zusammenbricht.
Der bescheidene Schweizer meint zuerst, er habe sich im Tisch geirrt und will sich auf die Suche nach dem richtigen machen. Aber dann fällt er ihm auf: der bescheidene Früchteteller, der in der aufgetürmten Masse überquellender Teller, Tassen und Schalen wie ein unterernährtes Kind zwischen satten, pausbäckigen McDonalds-Kids auffällt.
Und so schnell, wie sie in den Speisesaal eingefallen sind, so rasch sind die Heuschrecken-Hyänen auch wieder draussen und der Spuk ist vorbei...
Aber auch die Chinesen sind in dieser Beziehung unglaublich. Die schieben sich in einer unheimlichen Geschwindigkeit, einem unglaublich hohen Takt, bei dem mir nur schon vom Hinsehen schwindelig wird, ihre Speisen von der Schüssel in ihre Rachen.
Gut beobachten lässt sich solches Verhalten beim Abendessen, das eine Gruppe von vier Chinesen am Tisch gegenüber von mir bestreitet. Die beiden Paare halten sage und schreibe drei Kellner auf Trab - permanent.
Alle zwei Minuten schreit man nach “ice” fürs Bier. Bestellt eine Coke, Wasser, schreit nach “mol lice” (mehr Reis), bestellt eine weitere Platte. Und pausenlos schaufeln die beiden Männer und reden grossspurig daher, während die beiden Frauen sehr distinguiert an zarten Froschschenkeln herumnagen.
Auch dieser Spuk ist dann mal bitzschnell vorbei. Die chinesischen Kampfesser ziehen sich zurück, darauf räumen die Kellner den Tisch ab und füllen die leeren Teller, Schalen, Schüsseln und Gläser in einen grossen Kübel, den dann - und ich übertreibe echt nicht - von zwei Kellnern in die Küche geschleppt wird.
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